Auch Extremsportler setzen auf Daunen

31.05.2016 00:00

Wenn es um ihre Ausrüstung geht, vertrauen Extremsportler wie Stephan Siegrist und Ueli Steck
schon seit Jahren auf Spitzenqualität. Und auch wenn die technische Entwicklung im Outdoor- Bereich rasant fortschreitet, bleibt ein Naturprodukt als Füllmaterial unerreicht: die Daune.

Besonders die Qualität des Materials spielt in eisigen Höhen eine zentrale Rolle. Nach wie vor ist das Naturprodukt Daune unschlagbar, was Wärmespeicherung, Atmungsaktivität und Belastbarkeit angeht, und kommt daher immer wieder zum Einsatz. Wir haben die bekannten Bergsteiger Ueli Steck und Stephan Siegrist zu diesem Thema befragt.

Herr Steck, Herr Siegrist – welche Erfahrungen haben Sie mit Daunenprodukten gemacht?
Stephan Siegrist: Ich habe nur positive Erfahrungen gemacht. Daune bietet am meisten Komfort und ist
von Gewicht und Packvolumen her als Wärmespender bisher unerreicht. Sie hat einen unvergleichbaren Trage- und Schlafkomfort gegenüber synthetischen Produkten. Zudem hat sie ein kleineres Packmass und ein niedrigeres Gewicht für die gleiche Wärmeleistung als jedes alternative Material, das ich kenne.

Extremsportler

Ueli Steck: Daune ist bei tiefen Temperaturen meiner Meinung nach die beste Isolation, die es gibt. Sie hat einen deutlich höheren Isolationswert als zum Beispiel das Synthetikprodukt Primaloft. Auf synthetische Produkte greife ich daher nur zurück, wenn ich mit viel Feuchtigkeit zu rechnen habe. Am liebsten jedoch so wenig wie möglich.

Das Isoliervermögen der Daune schützt vor eisiger Kälte. Bis zu welchen Minustemperaturen lässt
es sich in einem Daunenschlafsack gut nächtigen, wann wird es unangenehm?

S. S.: Es gibt heute Daunenschlafsäcke, die bis hin zu sehr tiefen Temperaturen einsetzbar sind. Das einzige Mal, dass ich jedoch noch mehr Daunenfüllung hätte brauchen können, war in der Antarktis, als wir Temperaturen bis –52 °C gemessen haben.

U. S.: Ich habe Daunenschlafsäcke für Temperaturen bis –55 °C und bin damit bisher gut gefahren.

Als Verband weisen wir immer auf die Wichtigkeit von gesundem Schlaf hin. In welcher Höhe ist an
Schlaf noch zu denken, ohne dass es gefährlich wird?

U. S.: Ich habe schon viele Nächte auf über 8000 Metern verbracht. In dieser Höhe kann man in der Regel relativ gut schlafen. Über längere Zeit ist das aber nicht gesund und auch nicht möglich, da sich der Körper aufgrund des niedrigen Sauerstoff gehalts in der Luft nicht mehr erholen kann.

S. S.: Generell ist mangelnder Sauerstoff eine grössere Gefahr als Kälte. Ein Höhenödem kann beispielsweise bereits ab 3000 Metern über Meer eintreten, hingegen kann es selbst auf 7000 Metern noch warm sein.

Auch bei Bekleidung liegt Daune im Trend. Wie erklärt sich das?
S. S.: Was sich bei Profis bewährt hat, wird von Herstellern schnell für den grossen Markt gefertigt. Freizeitsportler profitieren dann von Erfahrungen, die Bergsteiger wie wir unter extremen Bedingungen gemacht haben.

U. S.: Hinzu kommt, dass es immer mehr Menschen in die Natur zieht,Darum setzen nicht nur Experten auf Daunen um dort Ausgleich zu finden. Davon profitiert natürlich auch die OutdoorBekleidungsBranche.

Idealer Wärmespeicher Zwischen den zahlreichen Verästelungen der Daune entstehen viele kleine Kammern, in denen Luft eingeschlossen wird. Da Luft ein sehr guter Isolator ist, kann die vom Körper abgegebene Wärme optimal aufgenommen und gespeichert werden. So schützen Daunen nicht nur effektiv vor Kälte, sondern wirken auch ausgleichend in warmen (Schlaf) Räumen.

Hohe Atmungsaktivität Daunen können die Feuchtigkeit vom Körper optimal aufnehmen und wieder

abgeben. Sie regulieren also nicht nur den Wärme, sondern auch den Feuchtigkeitshaushalt. So erzeugen
Daunen in Bettwaren wie in Schlafsäcken das perfekte Klima für den erholsamen Schlaf, das sogenannte Schlafhöhlenklima.

Große Belastbarkeit Daunen sind extrem elastisch und formbeständig. Rund 1000 Daunen lassen sich in
einem Fingerhut zusammenpressen und nehmen hinterher wieder unbeschadet ihre natürliche Form und
ihr ursprüngliches Volumen an. Damit das dauerhaft so bleibt, sollte man Daunenduvets und schlafsäcke regelmässig aufschütteln.

Geringes Gewicht Daunen haben ein sehr geringes Gewicht, jedoch eine sehr grosse Füllkraft, also die
Fähigkeit, sich «aufzubauschen». Entsprechend bieten Daunenduvets einen grossen Schlafkomfort, da sie
den Körper angenehm warm halten, ohne ihn zu belasten. Als Füllmaterial in der OutdoorAusrüstung sorgt
das geringe Gewicht zusätzlich für einen einzigartigen Tragekomfort.

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Hilfreiche Informationen rund um mit Daunen und Federn gefüllte Bettwaren sowie weitere Ausgaben der Fachinformation finden Sie auf unserer Website: www.vsb-info.ch.
Stephan Siegrist


Ueli Steck
Tags: albis